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Redaktion (1)

Januar 17, 2012

Liebe Redaktion,

Du meinst es gut mit deinem Autoren Alex Feuerherdt und das ehrt dich. Aber wieso bedarf es zu seiner Verteidigung solchen Kauderwelschs?

Was es bedeutet, daß der »AK« den KONKRET-Autor Alex Feuerherdt konsequent falsch schreibt, nämlich zweimal Axel und viermal Feuerherd? Nun, Axel ist eine Kurzform von Absalom, einem Sohn Davids, und Feuerherd ist die deutsche Übersetzung des hebräischen Ariel, eines biblischen Engels. Zufälle gibt’s.

Abgesehen davon, dass „Ariel“ nicht Feuerherd, und schon gar nicht Feuerherdt, sondern „Löwe Gottes“ bedeutet, fragt man sich doch: Warum muss man dem AK auf diese hinterfotzige Art Antisemitismus unterschieben? Gibt es da etwa nicht genug echtes Beweismaterial? Ein bisschen zu konstruiert das Ganze…

[Nr. 12/2011, S. 5]

Hermann L. Gremliza (3)

Dezember 23, 2011

Wie ressentimentgeladen jemand ist, der seine Kindheit in einem schwäbisch-protestantischen Elternhaus verbracht hat und diese Prägung nie so ganz ablegen konnte, zeigst, lieber Hermann L. Gremliza, mal wieder Du, in Deinem allseits beliebten Express:

Was gehen einen zu Zeiten, da der Austritt aus der größten kriminellen Vereinigung der letzten zweitausend Jahre sich, in heiligem Kölsch gesprochen, zwischen Zupp, Zaus un Jemös erledigen läßt, ohne auf einem Scheiterhaufen zu enden, die Vereinshändel der Unterabergläubigen mit ihren Oberabergläubigen und deren Obsessionen, Frauen, Schwule und Geschlechtstrieb betreffend, an? Gleichen doch der geschiedene Bundespräsident und der schwule Bürgermeister, die um die Zulassung zur heiligen Kommunion betteln, allzusehr dem Veganer, der in der Schlange vor Heinzis Hähnchengrill drängelt. Was die Öffentlichkeit allein angeht, sind Übergriffe von Kirchenfunktionären auf Unmündige, in neun von zehn Fällen: auf Kinder.

Unter dem Vorwurf der Kinderschändung machst Du es, Hermann L. Gremliza, nicht. Denn Du weißt genau, dass zwischen sexuellem Mißbrauch und katholischer Kirche ein innerer Zusammenhang besteht. Weil selbst Du Dir zu doof bist, das alte Naziargument vom „Triebstau“ gegen den Zölibat in Anschlag zu bringen, belässt Du es sicherheitshalber bei Deinen berüchtigten Andeutungen. Man könnte auch sagen: bei Geraune.

Wichtig ist Dir aber dann doch noch, darauf hinzuweisen, dass der Katholizismus ein Aberglaube ist und die da unberechtigerweise um die „Kommunion betteln“ keine wahren Gläubigen. Soviel Martin Luther muss schon sein.

 

[Nr. 12/2011, S. 66]

Detlev zum Winkel (1)

Dezember 23, 2011

Als konkret-Experte für alles Nukleare weißt Du, Detlev zum Winkel, dass Israel mal nicht so auf die Pauke hauen soll, wenn es um das iranische Atomwaffenprogramm geht. Insbesondere die „Hardliner in der israelischen Regierung […], die in diesen Tagen mit der Luftwaffe drohen“, sollten lieber auf Deinen Rat hören. Und der lautet: „Immer mit der Ruhe“! Warum Benjamin Netanjahu seelenruhig dabei zusehen soll, wie die Mullahs ihre Bombe zur Vernichtung des jüdischen Staates fertigstellen, verrätst Du auch:

Zur Erregung besteht Anlaß, zur Aufregung nicht. Der Iran hat große und immer noch wachsende Probleme beim Betrieb seiner Atomanlagen. Sein Atomkraftwerk Buschehr steht in einer erdbebengefährdeten Region. Seine Urananreicherungsanlage Natanz wurde durch den Computervirus Stuxnet empfindlich beschädigt. Die Mullahs und leider auch die iranische Bevölkerung sitzen mit ihrem Nuklearprogramm auf einer tickenden Zeitbombe, die sie aus eigener Kraft nicht entschärfen können.

Woher Du das alles weißt, verheimlichst Du dem Leser leider. Dass andere, von deinem Herausgeber mit pathologischem Hass überzogene Zeitungen wie Die Welt etwas ganz anderes berichten, scheinst Du nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen. Warum die Mullahs ihre „tickende Zeitbombe“, selbst wenn sie es könnten, nicht entschärfen würden, weil sie Israel so fanatisch hassen, dass sie dabei auch eine nationale Katastrophe in Kauf nehmen, darüber erfährt der Leser von Dir auch nichts. Stattdessen stellst Du Spekulationen darüber an, was Ex-Mossad-Chef Dagan, der sich kritisch über konkrete Angriffspläne geäußert hat, angeblich drohe:

Sein mutiges Auftreten erinnert an einen früheren israelischen Ministerpräsidenten, der es auch so gemacht hätte [wie Dagan], und mindestens das sollte Shimon Peres im Gedächtnis geblieben sein: Yitzhak Rabin war doch sein Freund.

Einmal links, immer links. Schade, Detlev zum Winkel.

 

[Nr. 12/2011, S. 37]

Geduld

August 10, 2011

Auf vielfache Nachfrage hin: Es gibt zwei Gründe dafür, dass hier nicht jede Ausgabe sofort kommentiert wird:

1) Die Konkret ist sehr langweilig, deshalb kostet es einige Überwindung, sie zu lesen.

2) Sie kostet 5 Euro. Ich muss also jedes Mal zu einem Bekannten gehen, der sie als Klolektüre hat.

Also bitte ich um Geduld: Der nächste Blogeintrag kommt bestimmt. Für sachdienliche Hinweise bin ich stets dankbar.

Kirsten Achtelik (1)

Juli 1, 2011

Kirsten Achtelik, Dich stört, dass Männer, die der Vergewaltigung bezichtigt werden, aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden können. Wie im Fall Kachelmann:

Das Urteil mag rechtsstaatlich korrekt sein. Zufrieden damit können aber nur diejenigen sein, die jegliches Reden über patriarchale Strukturen und gesellschaftlich sanktionierte Frauenfeindlichkeit für hysterischen Opferfeminismus halten und als nicht diskursfähig behandelt sehen möchten. Der Kachelmann-Prozeß hat diesen Antifeministen, Maskulinisten und ihren Helferinnen einen Sagbarkeitsraum bis in linksliberale Medien hinein eröffnet, in dem sie bis zum Erbrechen wiederholen können: Alles Schlampen außer Mutti.

Leider liegst Du daneben. Denn zufrieden mit dem Urteil können auch diejenigen sein, die rechtsstaatliche Verfahren dem antisexistischen Femegericht vorziehen, weil sie wissen, dass allein der Zwang zur Beweisführung vor Willkürurteilen schützen kann.

[Nr. 7 (2011), S. 11]

Hermann L. Gremliza (2)

Juli 1, 2011

Schon vor zwei Monaten hattest Du, Hermann L. Gremliza, gewusst, dass es dem Westen in Libyen nur ums Geld geht. Weil das aber zu langweilig ist, musst Du nun noch konterrevolutionäre Absichten hinzudichten:

Gaddafi zum Verhängnis wurden erstens der Ölreichtum seines Landes und zweitens seine soziale Auslegung des Islam, die ihn zugleich bei den Islamisten wie den „westlich orientierten“ Eliten in Verschiß brachte. Für neokoloniale Kompradoren mit ihrem humanitären Arsenal war da, wie unsere Großväter zu sagen pflegen, Polen offen.

Wer hätte gedacht, dass im Jahr 2011 tatsächlich noch jemand an Gaddafis „dritten Weg“ glaubt? Und dann auch noch so ein Vorzeigeintellektueller wie Du, Hermann L. Gremliza. Wer gegen Neokolonialisten anschreibt, der muss deren scheinbares Opfer notwendig verklären: Bei Deinem Kollegen Ingar Solty war es das „Volk“, bei Dir ist es eine vermeintlich soziale Variante des Islam.

Und wenn die Bezeichnung „Kompradoren“ nicht ausreicht, um beim Publikum die erwünschte Wirkung zu erzielen, weil dieses nicht weiß, was Kompradoren waren, dann tut’s zur Not immer noch ein Nazivergleich. Nimmt man Deine Analogie ernst, lieber Hermann L. Gremliza, dann haben die Nazis Polen überfallen, weil ihnen die Zweite Republik zu sozial war und sie billig an polnischen Weizen kommen wollten.

[Nr. 7 (2011), S. 9]

Ingar Solty (1)

Juni 14, 2011

Ingar Solty, Du leidest darunter, dass sich keiner mehr für den alten Hut „Imperialismustheorie“ interessiert. Damit doch jemand Dein Buch kauft, hast Du Dich entschlossen, in einem Blatt, das für alles offen ist, was irgendwie nach Bolschewismus riecht, einen kleinen Werbeartikel zu veröffentlichen. Darin erklärst Du denen, die Lenin noch nicht gelesen haben, was Imperialismus ist:

Der Profitproduktion ist das Problem der permanenten Produktion von Überschußkapital immanent, das profitabel angelegt werden muß, damit es nicht zu Krisen kommt. Daraus ergibt sich der Zwang, permanent zu wachsen, permanent in neue Räume vorzudringen und permanent neue Bereiche inwertzusetzen. Dieser Zwang und dieser räumliche Aspekt des Kapitalismus ist der Hauptgrund dafür, daß er nicht ohne ‚Imperialismus‘ zu denken ist. Die Aufgabe, die Widersprüche der kapitalistischen Akkumulation zu managen und dabei gleichzeitig legitim zu sein, ist die des Staates.

Da es schwierig, um nicht zu sagen: unmöglich ist, auf der Welt auch nur einen einzigen „Bereich“ auszumachen, der noch nicht in Wert gesetzt ist, müssen alle Antiimperialisten, die einer Theorie wie der Deinen anhängen, ständig allerorten widerständische, antikapitalistische Refugien entdecken, die es gegen den Imperialismus zu verteidigen gälte. Bei Dir ist es, dieses Mal, Gaddafis Libyen. Über das Libyen vor der „Grünen Revolution“ weißt Du:

Kurz nach der Entlassung in die Unabhängigkeit 1951 war Libyen eines der ärmsten Länder der Welt. […] In der Zeit der Regentschaft von König Idris (1951-1969) bestätigten sich jedoch Vermutungen, daß es in Libyen Ölvorkommen gibt. Die nun einsetzende Förderung erfolgte im Stil peripherer Kompradorenbourgeoisien. König Idris ließ das Öl durch ausländische Konzerne auf den Weltmärkten verscherbeln […], dennoch häufte er durch den Export ein großes Vermögen an, während die Bevölkerung am nationalen Reichtum nicht partizipierte. Das war wohl auch der Grund, warum der Putsch durch eine Gruppe von Militärs um den jungen Gaddafi fast ohne Blutvergießen und ohne signifikanten Widerstand gelang.

Kein Wort von Dir, Ingar Solty, darüber, dass König Idris, der an die Macht gekommen war, weil er im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Alliierten gegen die Achsenmächte im Untergrund gekämpft hatte, sich geweigert hatte, den arabischen Krieg gegen Israel zu unterstützen und deshalb von den Nasseristen weggeputscht wurde. Gaddafis Freunde und deren Anhänger initiierten 1967 im Gefolge des Sechs-Tage-Krieges mehrere Pogrome gegen die libyschen Juden – und Idris ließ den Mob stoppen.

Doch Du, Ingar Solty, fantasierst Dir Gaddafis Gang als Vorkämpfer der vom Imperialismus geknechteten Nation zurecht und verschweigst in Deinem kleinen Streifzug über die libysche Ökonomie doch glatt, dass es niemand anders als König Idris selbst war, der mit den Erlösen aus dem Ölgeschäft den Grundstein dafür legte, dass Libyen noch heute eines der höchsten Bildungsniveaus Afrikas hat. Aber für Dich ist, ja, muss Gaddafi der Held sein. Du schwärmst:

Gemessen an der Situation vor der Revolution war die folgende Zeit durchaus eine Erfolgsgeschichte. Der vom arabischen Nationalismus Nassers inspirierte Gaddafi zeigte ein besonderes Geschick darin, die ausländischen Ölkonzerne gegeneinander auszuspielen sowie die Ölproduktion schließlich ganz zu verstaatlichen und dabei die Grundrente zu erhöhen. Darauf aufbauend schuf er ein ‚ökosozialistisches‘ Projekt zur Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums einerseits und der ökonomischen Unabhängigkeitsentwicklung durch Importsubstitution und Diversifikation der Wirtschaftsstruktur andererseits. Hinzu kam eine libysche Variante der chinesischen Kulturrevolution, die – mit äußerst gemischten Ergebnissen – die bürokratische Erstarrung des sowjetischen Staatssozialismus durch Formen der ‚direkten Demokratie‘ zu ersetzen suchte. […] Das ‚ökosozialistische‘ Projekt basierte dabei auf einer Landreform (vor allem im Osten des Landes), der Verstaatlichung der Banken und Unternehmen, der Deckelung von Vermögen, Preiskontrollen sowie der Entwicklung eines ’sozialen Netzes‘.

Gaddafi tat also, zusammengefasst, genau das, wonach sich gestandene Antiimperialisten wie Du, Ingar Solty, sehnen: Er schuf eine totalitäre Gesellschaft, deren Fortexistenz von der unbeschränkten Machtfülle des Gaddaficlans abhängt. Du nennst die Almosengaben, die mit der gegebenenfalls tatkräftigen Loyalität zu Gaddafi verbunden sind, „Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums“ und „soziales Netz“. Und folglich ist Deine „Kritik“ an Gaddafi auch nicht, dass er den antiwestlichen Terror entfachte und unterstützte oder dass er ein fanatischer Antisemit vor dem Herrn ist, sondern dass er nach dem Kollaps des Realsozialismus eine

freiwillige Politik der neoliberalen Integration in den Weltmarkt

betrieben habe. Unglücklicherweise, Ingar Solty, wird Dein Held just in diesem Moment von der Luftwaffe der NATO zum Abtritt gezwungen. Aber wer weiß, vielleicht erfüllt die auf ihn folgende ‚Demokratie‘ der Opposition ja ebenfalls Deine antiimperialistischen Sehnsüchte. Wir hoffen nicht.

[Nr. 5 (2011), S. 12-14]